Corona: Neue Impfstoffe, neue Strategien | Aktuell Deutschland | DW

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Im Herbst und Winter müsse mit einer schweren Corona-Welle gerechnet werden, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nach einer zweitägigen Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Bereits Anfang Juni wollen sich die Ressortchefs erneut treffen, um konkret über Schutzmaßnahmen im Herbst zu beraten. 

Eine Mehrheit in Deutschland befürwortet in der kalten Jahreszeit eine Maskenpflicht in Innenräumen. 77 Prozent der über 65-Jährigen sind im ARD-Deutschlandtrend dafür, bei den 18- bis 34-Jährigen sind es 48 Prozent. Ein Mund-Nase-Schutz muss derzeit praktisch nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden.

Wie steht es um die sogenannten Bürgertests?

Aktuell dreht sich in der deutschen Corona-Politik vieles um die kostenlosen Bürgertests, die mit Ende dieses Monats wegfallen. Derzeit gibt es noch ohne Anlass oder Symptome einen Anspruch auf mindestens einen Schnelltest pro Woche an Teststellen durch geschultes Personal. Und es steht noch nicht fest, wie es ab Juli weitergehen soll. Bei der Finanzierung sehen die Länder hier den Bund in der Pflicht.

Bürgertest in der Essener Grugahalle

Bürgertest in der Essener Grugahalle

Im Herbst soll es eine neue Impfkampagne geben. In aktuellen Studien würden sich die Hinweise mehren, dass eine vierte Impfung für Personen ab 60 Jahren einen hohen Nutzen habe, sagte Gesundheitsminister Lauterbach. Jedem Impfwilligen solle der beste Impfstoff zur Verfügung gestellt werden.

Valneva kommt neu, Novovax für Menschen ab zwölf

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat derweil den Corona-Impfstoff des französisch-österreichischen Unternehmens Valneva zugelassen. Der Totimpfstoff von Valneva nutzt eine ähnliche Technologie wie klassische Grippe-Impfstoffe, soll in normalen Kühlschränken gelagert und bei Menschen zwischen 18 und 50 Jahren angewendet werden können. Damit sind in der EU nun sechs Impfstoffe gegen das Coronavirus verfügbar.

Der Totimpfstoff von Novavax

Mit dem Totimpfstoff von Novavax können jetzt auch Kinder ab 12 Jahren geimpft werden

Mit dem Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax können künftig auch Kinder ab 12 Jahre geimpft werden. Die Erweiterung der Zulassung haben die EMA-Experten nun empfohlen. Der Impfstoff ist in der EU bereits für Menschen ab 18 Jahre zugelassen und hat den Studien zufolge einen Infektionsschutz von etwa 80 Prozent.

20 Millionen COVID-Tote verhindert

Forscher haben ausgerechnet, wie viele Todesfälle durch die Corona-Vakzine vermieden wurden. Demnach haben die Impfungen allein in ihrem ersten Jahr weltweit fast 20 Millionen COVID-19-Tote verhindert.

Impfzentrum in Kenia

Impfzentrum in Kenia

Damit sei die Zahl der ohne Impfungen erwarteten Todesfälle mehr als halbiert worden, schreiben Forscher des Londoner Imperial College im Fachmagazin «Lancet Infectious Diseases». Aber auch hier spiegele sich die ungerechte Verteilung der Impfstoffe wider, denn die die wohlhabenderen Länder profitierten deutlich mehr als die ärmeren.

Sich freiwillig infizieren? «Totaler Nonsens!»

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, warnt davor, sich im Sommer mutwillig mit dem Coronavirus zu infizieren. «Man sollte das weiterhin so gut es geht vermeiden, auch wegen des Risikos von Long Covid», sagte Drosten im Gespräch mit dem «Spiegel». Auch epidemiologisch sei die Empfehlung zur Infektion, die derzeit auf Twitter die Runde macht, «totaler Nonsens»: «So viele Menschen können sich im Sommer gar nicht infizieren, dass das im Winter die Corona-Zahlen niedrig halten würde.»

Christian Drosten auf der Bundespressekonferenz (Archivfoto)

Christian Drosten auf der Bundespressekonferenz (Archivfoto)

Schon für September befürchtet Drosten wieder sehr hohe Fallzahlen. Denn wie erwartet, ist der Erreger BA.5 nun vorherrschend in Deutschland. Der Anteil in einer Stichprobe liege bei 50 Prozent, heißt es im Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zu COVID-19. Die Angabe bezieht sich allerdings auf vorvergangene Woche, derzeit ist bereits von höheren Werten auszugehen.

EU einigt sich auf mehr Zusammenarbeit

«Die BA.5-Variante ist einfach sehr übertragbar, und die Menschen verlieren gleichzeitig ihren Übertragungsschutz aus der letzten Impfung», warnt Drosten. In anderen Ländern sehe man, dass bei sehr hohen Fallzahlen auch die Hospitalisierungs- und Todeszahlen wieder anstiegen.

In Gesundheitskrisen wie der Corona-Pandemie wird auf EU-Ebene künftig deutlich enger zusammengearbeitet. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments einigten sich auf eine verstärkte Kooperation über Landesgrenzen hinweg. Dazu soll die EU-Kommission erstmals dazu in der Lage sein, einen EU-weiten Gesundheitsnotstand auszurufen und damit ein koordiniertes Vorgehen etwa beim Kauf und der Lagerung von wichtigen Gütern auszulösen.

rb/mak (AFP, dpa, Reuters)





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