Die unverhoffte Bedrohung für den Kryptomarkt

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Genesis Trading ist normalerweise kein allgegenwärtiger Begriff der Krypto-Szene. In Wahrheit steckt das Unternehmen hinter vielen Angeboten, die Nutzern Zinsen auf ihre Kryptowährungen versprechen. Ein Krypto-Veteran hält das Unternehmen für DIE unverhoffte Bedrohung des Kryptomarktes.

Genesis Trading steckt hinter vielen Lending-Angeboten

Genesis Trading gehört zuweilen zu den Krypto-Urgesteinen. Schon 2013 eröffnete das Unternehmen seine Pforten und wuchs seitdem zu einem der grössten Krypto-Lender heran. Jüngst macht das Unternehmen Schlagzeilen.

Das Problem: Der Krypto-Lender gerät durch massive Abhebungen in die Illiquidität, nachdem der FTX-Crash das Vertrauen in zentralisierte Krypto-Unternehmen erschüttert. Nutzern ist es seit dem 16. November nicht mehr möglich, ihre eingezahlten Kryptowährungen abzuheben.

Nun äussert sich Krypto-Veteran Jason Yanowitz zu Wort. Er hält Genesis Trading für DIE Bedrohung des Kryptomarktes, wie aus Mitteilungen auf Twitter hervorgeht.

Genesis sei über die Jahre hinweg zu einem so bedeutsamen zentralisierten Unternehmen der Branche herangewachsen, dass es zugleich eine wesentliche Gefahr für den Sektor darstellt.

Wie mächtig das Unternehmen wirklich ist, bleibt dabei oft im Verborgenen. Viele Unternehmen stellen die Angebote des Lenders stellvertretend bereit. Dazu gehört etwa die bekannte Krypto-Börse Gemini.

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Warum ist Genesis ein so wichtiger Knackpunkt?

Am 31. Dezember 2021 meldete Genesis aktive Kredite in Höhe von massiven 12,5 Milliarden US-Dollar, die bis zum September 2022 auf 2,8 Milliarden sanken. Das Prinzip des Unternehmens funktioniert ganz einfach. Endverbrauchern gibt man die Möglichkeit, Zinsen zu verdienen.

Diese müssen dafür allerdings ein grosses Risiko eingehen: Sie müssen ihre Kryptos in die Hand von Genesis legen. Wer risikobewusst genug ist, verdient dann je nach Anlage bis zu zehn Prozent Jahreszins. Auf den Bitcoin überträgt Genesis üblicherweise 6,5 Prozent Zinsen, während man für den Stablecoin USDC den Höchstwert bekommt.

Das Kapital verwendet Genesis dann, um es Institutionen zur Verfügung zu stellen. Diese nehmen Kredite auf, um Liquidität für ihre Projekte zu erhalten, oder um laufende Kosten zu decken.

Das Konzept funktioniert jedoch nur, wenn der Kreditnehmer das Geld wirklich zurückzahlt. Gelingt das nicht, ist es Genesis nicht möglich, die Kredite zurückzuzahlen und folglich können die einzelnen Kunden ihre Kryptos dann nicht auszahlen. Sie bleiben im schlimmsten Fall auf den Schäden sitzen.

Hier wird der drastische Unterschied zu DeFi ersichtlich. Im dezentralen Finanzwesen müssen Anleihen vom Kreditnehmer normalerweise übersichert werden. Kommt das Geld nicht wie versprochen zurück, zahlt man die Kreditgeber mit der Deckung aus.

An dieser Stelle kommt der Bärenmarkt ins Spiel: Während immer mehr Unternehmen im Bärenmarkt 2022 einbrechen, muss Genesis Verluste in Milliardenhöhe hinnehmen. Der liquidierte Hedgefonds 3AC war einer der Kreditnehmer, dem man 2,4 Milliarden US-Dollar lieh.

Genesis-Mutter DCG rettet wiederholt

Ausstehende Rückzahlungen von 1,2 Milliarden US-Dollar musste am Ende das Genesis-Mutterunternehmen Digital Currency Group begleichen. Dort enden die Schäden allerdings nicht. Weitere Firmen kollabierten zum Nachteil des Krypto-Lenders.

FTX hinterliess eine Lücke von 175 Millionen US-Dollar. Auch durch Babel Finance habe man Hunderte Millionen eingebüsst.

Fast jeder Wal, den ich kenne, der in Krypto mitspielt, gibt sein Geld an Genesis.

Erklärt Yanowitz. Die Gefahr einer Kettenreaktion sei daher riesig. Umso mehr Genesis-Partner einbrechen, desto grösser ist der Schaden, der sich am Ende womöglich auf die Endnutzer überträgt und dort das Vertrauen in den Markt zerstört.

Bisher konnte die Digital Currency Group die Schäden seines Tochterunternehmens wiederholt ausgleichen. Aktuell bestehen begründete Zweifel daran, dass dies in Zukunft weiterhin uneingeschränkt möglich sein wird.

Institutionen galt Genesis über die letzten Jahre als sicherer Hafen. Die negativen Tendenzen am Kryptomarkt und eine Rückbesinnung der Szene auf die Selbstverwaltung der Kryptos bringen diesen Ruf ins Wanken.

Celsius Network stellt ein ähnliches Angebot wie Genesis bereit. Im Sommer 2022 brach Celsius zusammen. Im Spätjahr 2021 lag dessen verwaltetes Vermögen bei einem Spitzenwert von 25 Milliarden US-Dollar. Grosse Teile davon waren allerdings keine aktiven Leihgaben, sondern dienten Celsius im Trading.

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